Sonntag, 17. Dezember 2017

Taquile - die Insel der strickenden Männer

Es ging nach Taquile. Am Hafen von Puno nahm uns der freundliche Herr vom Tag vorher in Empfang und führte uns zu seinem Kahn. Das war ein ganz normales Boot mit Innenraum, Dach und einer Truppe von Touristen.

Als alle eingetroffen waren, stellte er sich in der Mitte des Innenraums und erklärte den Titicacasee. Seinen Namen hätte er von den Aimaras. Titi bedeutete Katze und Caca Fels. Der Name bedeutete Katzenfelsensee oder Felsenkatzensee. Geheimnisvoll verwies er auf eine Landkarte des Sees. Sah der Umriss nicht aus, wie ein springender Panther? Woher wussten die Vorfahren das? Flugzeuge hatten sie doch nicht.

Er zeigte die Position von Taquile auf der Karte an. Dort lebte sein Stamm. Vorher würden wir noch die Urus besuchten, die auf schwimmenden Inseln ein hartes, aber unabhängiges Leben führten. Nicht alle Schiffe könnten sie besuchen, aber mit dem Boot der Taquiles wäre das normalerweise kein Problem.

Es ging dann wirklich los.

Fahrt durch die Schilfwiesen von Puno

Noch waren wir in dem Kanal, der durch die Schilfwiesen führte, die die Bucht von Puno vom eigentlichen See trennten. Es waren einige Hütten im Schilf zu erkennen.

War das nun wirklich authentisch? Oder doch nur Touristenfolklore?

Es schien endlos. Links und rechts war außer Schilf nicht viel zu sehen. Die Mitreisenden beschäftigten sich mit Smartphones.

Endlich kamen wir hinaus. Nur um dann wieder am Schilf entlangzufahren. Ein Schild mit einem Hinweis auf Zutritt verboten wurde passiert. Kurz stoppte das Boot. In einer unbekannten Sprache unterhielt sich der Chef mit einem Einheimischen. Beide lachten. Er gab ein paar Geldscheine herüber, dann ging es weiter.

Wir kamen an eine Bucht mit Schilfinseln.

Schwimmde Schilfinseln am Ufer des Titicacasees

Der Chef stellte sich wieder in den Innenraum und erzählte von den Urus. Diese würden sich freuen, wenn wir sie auf Aimara begrüßten. Wie das hieß, habe ich vergessen. Es war nicht das einfache guten Tag, sondern eher so etwas wie "uns geht es gut, geht es euch auch gut".

Ein ganzer Küstenstreifen mit schwimmenden Inseln.

Wir waren noch lange nicht am Ziel. Der ganze Küstensaum war von schwimmenden Inseln besetzt.

Eine Uru dorf mit einem orangenem Boot

Dann legten wir neben dem orangem Boot an.

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Unser Reiseleiter übersetzte, was der Häuptling der Insel erzählte. Dieser versuchte zu erklären, wie eine Insel gemacht wird. Die Schilfpflanzen schwimmen im Wasser und werden an einen Eukalyptusstamm zusammengebunden, damit die Wurzeln sich verweben. Nach einer Zeit wird das Schilf geerntet und in Lagen aufgetragen, bis das trägt. Ob irgendeiner von uns Touristen überhaupt verstanden hat, wie das genau abläuft, weiß ich nicht. In jedem Fall konnten wir danach die Hütten besuchen. Zu kaufen bräuchten wir nichts, aber die Leute würden sich dann doch freuen, wenn wir ein Mobile oder eine Mütze kaufen würden. Wir kauften ein Mobile.

Das Solarpaneel versorgte die Insel mit Strom, damit am Abend ein wenig Fernsehen geschaut werden konnte.

Blick auf das andere Ende der Urubucht

Neben Andenken und Snacks wurde noch eine Schilfbootfahrt angeboten. Diese fing mit Ruderbetrieb an, aber nach dem Ablegen wurde dann doch ein Außenbordmotor gestartet.

So brauchten wir auf der anderen Seite der Bucht nicht zu lange zu warten.

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Hier gab es dann auch einen Ausguck, von dem ich dieses Foto machte. Waren das nun alles Inseln, die nur darauf warteten von Touristen besucht zu werden? Oder wohnten hier tatsächlich Mitglieder eines freiheitlsiebenden, friedlichen Volks? Die Menge der Inseln sprach gegen eine ausgesprochene Folkloredarstellung. Zumal die Dächer der Schilfhütten gepflegt waren. Diese Hütten waren nicht verlassen.

Willkommen auf Taquile, den Kindern keine Karamellen geben!

Zu Mittag erreichten wir Taquile. Der Reiseleiter erklärte die Regeln der Insel. Sie lebten als Gemeinschaft und machten alles gemeinsam. Die Position der Mitglieder signalisierte die Kleidung. War eine Franse auf der linken Seite, so bedeutete das, das der Mann eine Freundin hatte, aber noch nicht verheiratet war. Wenn sie auf der rechten Seite war, lebte er mit einer Frau zusammen. So weiß man von weitem schon, wie die Verhältnisse sind. Die Ehen waren wohl mehr fließend auf der Insel. Ein Paar wollte wohl lebenslang beisammen sein, aber man wüsste ja, dass das nicht immer so klappt.

Autoritätspersonen, auch eine Frau konnte das sein, trugen zu ihrer Mütze noch einen Hut. Dieser Hut als Zeichen von auserwählt sein, wurde auf Zeit vergeben. Mit Hut musste man sich auch vorbildlich benehmen.

Wichtig war die Kinder nicht zu verziehen. Deswegen sollten wir ihnen keine Süßigkeiten geben. Auch mit dem Fotographieren sollten wir vorsichtig sein, da sonst die Motive auf die Idee kämen zu betteln. Wenn wir etwas gutes tun wollen würden, sollten wir ein Mobile oder eine Mütze kaufen.

Auf dem Weg nach oben sollten wir ruhig langsam gehen. Es gäbe Zeit genug und die Luft ist immer noch dünn.

Blick zu den Bergketten Boliviens

Auf halbem Weg sahen wir dieses Panorama mit den schneebedeckten Bergrücken Bolivien.

Blick auf den Dorfplatz von Taquile

Wir kamen als erste auf dem Dorfplatz an. Dort hieß es erst einmal durch schnaufen. Als alle beisammen waren, verkündete der Chef einen Aufenthalt von einer halben Stunde. Dann würde er uns zum Mittagessen holen. Das wäre schon in Vorbereitung bei einer Familie.

Bunt gekleidete Frauen boten in den Hütten am Rand des Platzes Häkeleien und Strickwaren an. Es gab einen Kiosk mit Postkarten und Getränken. Und dann war da noch ein älteres Gebäude in einer Seitenstraße. Unten war ein Geschäft und im Obergeschoss saßen Männer und strickten. Meine Frau fragte einen von ihnen, ob sie nicht früher direkt am Platz gearbeitet hätten. Die "Autoridades", die mit dem Hut, hätten das geändert. Nun sollten nur noch die Produkte verkauften werden, antwortete er. So richtig glücklich schien er mit dieser Anweisung nicht zu sein.

Das war eben die Crux mit Demokratie, wenn man in der Minderheit war. Wir hätten auch lieber direkt in dem Haus am Rand des Platzes gegessen. Dort aß eine andere Gruppe.

Der Chef holte uns und führte durch das Dorf zu dem Restaurant, das uns bewirten durfte.

Indio im argentinischen Trikot

Nicht alle Kleiderordnungen wurden eingehalten. Zwar trägt der Mann eine Mütze, aber das argentinische Trikot gehörte nicht richtig zur Tracht.

Das anschließende Essen war mehr gängig, aber mehr Eindruck hat es nicht hinterlassen. Ein Tischnachbar war Holländer. Er war mit dem Fahrrad unterwegs. Ein paar Monate hatte er noch, dann ging es zurück zur Arbeit.

Blick auf Taquile und seine Terrassen

Der Besuch Taquiles zeigte deutlich die kollektive Art der Hochlandleute. Es galt Teil einer Gemeinschaft zu sein und sich der Traditionen zu erinnern. Diese waren aber dann doch veränderlich, sodass die strickenden Männer, die einst Aushängeschild der Insel waren, nun versteckt wurden.

Früher gab es auf der Insel noch richtige Landwirtschaft. Dann wurde es immer trockener. Das kam durch den Eukalyptus, der zwar schnell wächst, dafür aber das Wasser aus dem Boden zieht. Ich fragte den Chef, wer den Eukalyptus auf die Insel gebracht hatte. Er war der Meinung, dass dieser schon immer da war. Auf die Information, dass der Eukalyptus aus Australien kam, vermutete er, dass die Spanier ihn mitgebracht hätten.

Ich ließ das dann so stehen. Wie wenig man doch weiß, wenn man immer nur in einer Gruppe miteinander redet und dabei nichts aufschreibt.

Das war der Bericht vom Besuch Taquiles. Davor habe ich von Puno berichtet. Zum Schluss kommt noch ein Bericht von Sillustani, der Nekropole der Inkas.