Samstag, 16. Dezember 2017

Puno - die Stadt am Titicacasee

Am ersten Tag vom neuen Jahr 2016 schaute ich mir Puno vom Balkon des Hotelzimmers aus an. Das Zimmer hatte ich gut gebucht. Es lag, wie auf der Umgebungskarte gesehen, direkt neben der Kathedrale in der Mitte der Stadt. Zum Hafen war es ungefähr ein Kilometer. Dazu brauchten wir einfach die Straße hinunterzugehen.

Als ich die Kamera absetzte und kurz das Bild kontrollierte, merkte ich die Höhe. Bei knapp 4.000 Meter über Meeresspiegel atmete ich weniger Sauerstoff ein. So ein ganz leichter Schwindel stellte sich ein. Etwas drückte dumpf an der Unterseite des Schädels, an dem Ort wo die Wirbelsäule anfängt. Das war eine interessante Art von Kopfschmerzen, die ich aber durch tiefes ein- und ausatmen bändigen konnte.

Blick auf den Titicacasee mit Kathedrale im Vordergrund

Nach einem kräftigen Frühstück fühlte sich die Welt leichter an. Zum Hafen wollten wir zu Fuß gehen. Das sollte zu schaffen sein!

Die Tickets für die Bootsfahrt zu den schwimmenden Inseln sollten erstanden werden.

Blick auf den Weg zum Kuntur Wasi

Vor der Tür des Hotels sah ich diesen Hang mit einer Kondorstatue. Normalerweise erklimmen wir immer die hohen Punkte einer Stadt. Das scheint irgend so ein Jägergen zu sein. Von oben war die Beute auszumachen.

Zunächst war der Weg zum Hafen zu bewältigen. Wenn das gut ginge, könnten wir noch dort oben vorbeischauen.

Blick über die Plaza de Armas zur Kathedrale von Puno

Das ist die Plaza de Armas von Puno. Das Hotel liegt links neben der Kathedrale. Rechts liegt die Altstadt mit Nachtleben. Dort verbrachten wir Silvester. Hinter mir geht die Straße zum Hafen.

Diese Straße war zu breit für den Verkehr. Sie stammte noch aus der Zeit, als über den Hafen von Puno der Handel mit Bolivien abgewickelt wurde. Seit 1999 hat der Hafen nur noch touristische Bedeutung.

Am Ende der Straße war ein kleiner Platz, an dem dem auch ein Bahngleis endete. Von den, bestimmt einmal vorhandenen, Bahngebäuden war nicht mehr viel zu sehen. Nur noch der Prellbock steht am Ende des Gleises stand. Güterverkehr gab es nicht mehr. Touristen, wie wir, kamen zu Fuß und die, die mit der Höhe nicht ganz so gut klar kamen, nahmen ein Taxi oder eine Motorrikscha.

Ab diesem Punkt gab es nur ein Fußweg zu den Anlegestegen. Auf beiden Seiten standen dicht nebeneinander Verkaufsstände,  die Souvenirs, Snacks und Getränke anboten. Sehens- und Erinnerungswürdig waren aber eher die  Verkäufer. Mal war es eine junge Mutter mit Hut auf dem Kopf und Kleinkind auf dem Rücken, mal eine alte Oma mit Zahnlücke. Ab und zu war auch ein Mann bei den Waren. Der war aber nie alleine am Stand. Manche boten auch Tickets für Ausflüge an. Aufgeregt schilderten sie wie schnell ihre Boote führen. Meine Frau beachtete diese aber gar nicht.

Nur bei einem kleinen Mann mit schwarze Hut, der leise fragte, ob wir nach Takile fahren wollten, blieb sie stehen. "Das sind sie die richtigen", sagte sie.

Wir folgten ihm zu einem kleinen Haus am Ende des Fußwegs. Dort erklärte er in langsamen, gut verständlichem Spanisch, dass er Tickets für die Bootsfahrten der Kooperative verkauft. Wir würden bei den Urus haltmachen, in Takile zu Mittage essen und nach ein paar Stunden wieder zurückfahren. Seine Bestimmtheit und Ruhe überraschte mich. Das war der Gegensatz zu den Angeboten mit Schnellbooten.

Die Aufgabe an diesem Tag war damit gemacht. Am nächsten Tag ging es auf das Boot. Wir schauten die Stege an.

Das war also der Titicacasee, dachte ich, als meine Frau meinte, wir sollten übersetzen, damit wir den See sehen könnten. Puno liegt an einer nahezu geschlossenen Bucht des Titicacasees. Auf der anderen Seite der Bucht könnten wir die Durchfahrt durch den Schilf genauer sehen.


Schilffelder am Buchtausgang von Puno. Mit Durchfahrt für Boote.

Das ist die Stelle. Durch die Schneise rechts  fahren die Schiffe durch. Am Horizont sind die weiteren Schilffelder, an deren Ende die Urus auf schwimmenden Inseln wohnen.

Wir waren auf einer Terrasse eines Nobelhotels. Zunächst dachten wir, das wäre nur für Gäste, aber wir wurden hineingelassen. Die Reste der Silvesterfeier stapelten sich in den Papierkörben und auf der Wiese. Mittlerweile kann im Hochland Perus richtig gefeiert werden.

Den Mirador Kuntur Wasi mit der Kondorstatue besuchten wir tatsächlich am Nachmittag. Zunächst waren wir nur in die Richtung zum mal sehen gegangen. Als wir aber an den Treppen unten standen, war entschieden. Diese Treppen mussten genommen werden!

Wie versprochen gab es Panorama von Puno:

Überblick über die Altstadt Punos mit Hafen.

In der Mitte des linken Teils ist die Altstadt Puno. Alles andere ist erst in den letzten 30 Jahren entstanden. Das Hotel mit der Terrasse ist der kleine, weiße Fleck am Horizont rechts. Auf der anderen Seite der Bucht wurde auch kräftig gebaut.

Die neuen Viertel von Puno mit Luxushotels.

In diesem Bereich liegen die Luxushotels von Puno. Die Oberschicht Limas, sofern sie Beziehung zum Hochland hat, verbringt hier ihren Urlaub.

Vor der angestrahlten Kathedrale Punos

Am Abend versuchte ich das mitgeführte Stativ einzusetzen. Die Kathedrale bot sich dafür an.

Nachtaufnahme einer Kolonialfassade Punos.

In der Altstadt war einfach zu viel Licht für Nachtaufnahmen. Nur auf diesem Platz konnte ich einigermassen die Kolonialbauten erwischen.

Die Familie links spielt mit dem ferngelenkten Auto, das der Sohn zu Weihnachten bekommen hatte. Von Armut war hier recht wenig zu sehen.

Wären wir doch nur ein wenig länger auf dem Platz geblieben. Aber so aßen wir in einem Restaurant an einer Seitenstraße, als wir die Musik hörten. Es war eine Blaskapelle. Eine Blaskapelle, die Karnevalsmärsche spielte. Puno ist Hochburg des Andenkarnevals. Und, wie überall auf der Karnevalswelt, wird vorher geübt. Durch das Fenster sahen wir eine Gruppe nach der anderen. Die Gruppen zeigten selbstverständlich keine Verkleidung und keine Tracht. Die Mädchen liefen in Minirock und Highheels, die jungen Männer in Anzug mit Schlips. Das war aber keine richtige Kleiderordnung. Vielmehr zeigten sie so, dass sie dazugehören. Dass sie sich fein gemacht hatten. Sogar der Punker mit Irokesenschnitt hatte seine geplegte Lederjacke. Mit besonderer Inbrunst über er die Schritte.

Irgendwann besuche ich mal den Karneval von Puno.

Das war Bericht zum Tag in Puno. Wir kamen von Chivay am Ende des Colca Tals. Am nächsten Tag fuhren wir nach Taquile zu den strickenden Männern.