Montag, 10. September 2018

Der Königsabstieg nach Paul do Mar

Der letzte Strandtag stand an. Am Abend vorher hatten wir schon die Tickets für die Tour zu den Walen am Nachmittag gekauft. Den ganzen Tag am Strand zu liegen, war zu langweilig.

„Es gibt hier noch eine Miniwanderung“, schlug ich nach dem Frühstück vor. Ganz in der Nähe von Calheta gab es eine kleine Wanderung den Berg hinunter nach Paul do Mar. Es waren nur ein paar Kilometer. Der „Camino Real do Paul do Mar“ wurde er genannt. Die königliche Wanderung sah nach der richtigen Wahl für einen Vormittag aus. Laut Beschreibung waren das 1,8 Kilometer. Hin und zurück wäre das wohl in einer Stunde zu machen. Über Mittag wollte ich ein wenig am Strand bräunen und dann zu den Walen.

Es ging mit dem Auto die Kurven nach oben zum Dorf Prazeres. Dieses bestand aus verstreuten Gehöften, die ohne genaues Zentrum an kleineren Wegen lagen. Die einzige große Straße führte zu einem Hotel, das ein paar Kilometer in Richtung Meer lag. Unter dem Hotelschild hing eine kleineres, auf dem etwas von einem Camino stand.

Die Straße endete an dem Eingang zu einer Hotelanlage. Ein Parkplatz war nicht direkt zu sehen. Gespannt fuhr ich hinein. Durch eine gepflegte Gartneanlange ging es zum Hotel mit einem, vermutlich doch öffentlichen, Parkplatz davor. Ich parkte neben einem Kombi, an dem ein Einheimischer seine Einkäufe auslud.

„Und hier soll ein Wanderweg anfangen?“, fragte mein Begleiterin.
„Wollen Sie da herunter?“, fragte der Einheimische in akzentfreiem Deutsch mit leicht sächselndem Einschlag.

„Kommen'se mal mit“, bedeutete uns der Sachse auf Urlaub. Neben seiner Ferienwohnung ginge es hinunter. Den Weg hätte er auch schon gemacht. Unten wäre man total platt und da kommt das Bier am Dorfplatz gerade richtig.

„Da isses“, deute er hinunter.

Blick von der Klippe hinunter nach Paul do Mar

Der Schatten rechts bin ich beim Knipsen. Das war irgendwie schon steil.

Im Schatten war der Abstieg erträglich. Wir kamen bald zu einer Abzweigung, auf die unsere Bekanntschaft uns hingewiesen hatte. Es ging zu einem kleinen Ausguck auf der anderen Seite des Klamms. Das war die einzige Stelle an dem Abstieg, die im eigentlichen Sinn gewandert werden konnte.

Auf der anderen Seite des Klamms angekommen, stand man vor einem Loch im Felsen. Eine kleine Höhle führte hindurch zur anderen Seite. Dort konnten wir in die nächste Klippenlandschaft sehen. Diese war noch wilder.

Zurück am Abstieg schlug ich vor, wieder hinauf zu gehen, wenn wir noch zum Strand wollten. Obwohl der Abstieg schon etwas hatte. Der Sachse war ja mit dem Bus wieder nach oben gekommen, hatte er erzählt.

Wir machten dann doch weiter. So ungefähr an dieser Stelle war das:

Blick nach dem Anfang des Abstiegs

Es ging einfach immer nur steil hinunter. Der breit gepflasterte Weg schlängelte sich in Serpentinen, diese nahmen aber nur wenig vom Gefälle. Nach einiger Zeit lernten wir die schrägen Ableitungen für das Regenwasser als Markierungen und Hilfestellung für unsere Zick-Zack Serpentinen zu nehmen.

Was für Menschen gingen diesen Weg geradeaus hinunter?

Blick auf den ganzen Abstieg nach Paul do Mar

Unten weitete sich der Klamm. Ich blickte zurück. Oberhalb des Wasserfalls befand sich die Abzweigung zur anderen Seite. Den ganzen Abstieg hatten wir geschafft. Zum Glück liefen wir an einem Vormittag im Schatten!

Ab dieser Stelle  war es bei weitem nicht mehr so steil. Es erinnerte an die Weinhänge im Rhein- oder Moseltal. Aber es ging immer noch hinunter.

Der Eingang zum Dorf kam plötzlich. Die letzten 10 Meter führte eine Treppe zu einer Dorfgasse hinunter. Ein Wegweiser am Anfang der Treppe deutete nach oben, nach Prazeres. Ob das tatsächlich jemand machte?

Das Bier auf dem Dorfplatz schmeckte wie versprochen herrlich. Außer uns schienen keine Touristen in dem Ort unterwegs zu sein. Zwar waren Gruppen von nicht arbeitenden Personen unterwegs. Diese schienen eher einheimisch zu sein.

Wir streiften im Dorf ein wenig umher. Unterhalb des Dorfplatzes fand ich dieses Fliesenbild:

Bild von Fliesen am Dorfplatz von Paul do Mar

Der Namensgeber des Dorfplatzes konnte dichten:

No vivo Mar Salgado concebida,
Entre remotas ondas balouçando,
E num manto de lendas repousando
Persiste oculta a Ilha Adormecida.

Das konnte ich mit Hilfe des Google Übersetzer so deuten:

Ich lebe nicht als Meerwassergeschöpf
Unter den entfernten wirbelnden Wellen
Und in einem Mantel aus ruhenden Legenden
Bleibt verborgen die Schlafende Insel.

Es passte wunderbar zu der Stimmung in dem Örtchen. Es lag zwar an einer Küstenstraße. Diese führte aber vor dem Ort in einem Tunnel nach oben. So war man zwar verkehrsgünstig angebunden und doch ganz ohne Durchgangsverkehr. Man befand sich in einem Ort zum Entspannen und Ausruhen.

Wir kamen rechtzeitig zur Walfahrt zurück. Es ging mit einem recht großen Boot hinaus. Ein holländischer Reiseleiter erklärte auf Englisch, was zu sehen war und uns erwartete. Wir fragten nach dem Pottwal, der uns am Abend vorher in Aussicht gestellt wurde. Er meinte, wenn wir Glück hätten, könnten wir einen sehen.

Die Fahrt war schnell hinaus, dann ein Stoppen und Schauen, was um uns herumschwimmt. Zunächst sahen wir einige Schulen von Delfinen. Alle freuten sich. Ich passte auf das Objektiv der Kamera auf. Darauf sollte kein Spritzer kommen.

Der Holländer schaute auf den Horizont. Wenn wir eine kleine Fontäne sehen, sollten wir das sagen. Das wären dann Wale, die bliesen. Die wollten wir sehen!

Ein paar Mal schnellten wir in Richtung einer Fontäne. Als wir ankamen, machten sich die Wale davon. Mit Glück fanden wir dann so etwas wie Grauwale. Das graue Ding dort in der Mitte des Bildes sollte einer gewesen sein. Die Reling vorne deutet an, dass es schon etwas größeres sein sollte, das da abtaucht:

Im Meer entfernt sich etwas größeres von Boot

Tiere sind als Motiv bei mir immer eine Glückssache. Sie bewegen sich zu sehr. Deswegen finde ich solche Anblicke viel interessanter:

Unten liegt Paul do Mar an der Kerbe vom Abstieg

In dieser Kerbe waren wir an Vormittag hinuntergelaufen. Oben haben die Bauern ihre Produkte angebaut und dann nach der Ernte hinuntergetragen. Von unten trugen Fischer ihren Fang hinauf.

Was hatten diese Leute für Oberschenkel? Waren das am Ende alles Ronaldos?

Am nächsten Tag fuhren wir nach Funchal. Auf dem Weg wollten wir noch einiges sehen.