Freitag, 12. Oktober 2012

Der Maharaja von Jaipur und ein Platz zum Ausruhen

Zwar wird Jaipur schon lange nicht mehr von einem Maharaja regiert, das bedeutet aber noch lange nicht, dass dieser einfach verschwunden ist. Er residiert mit seiner Familie im "Mondpalast", der wiederum Teil des Stadtpalasts von Jaipur ist. Wenn er nicht auf Reisen und tatsächlich in der Stadt ist, werden zwei Fahnen gehisst, eine ganze und eine, die ein viertel der Fläche hat. Dann freuen sich die Jaipuris. Jedenfalls behaupten sie dass, wenn man sie darauf anspricht.

Der Stadtpalast ist Touristen zugänglich, von hier kann man auch schön den Mondpalast sehen:

Blick vom Stadtpalast auf den Mondpalast, der weiß hinter der rosa Mauer zu sehen ist

Es gibt im Stadtpalast jede Menge an Museen, Geschäften und auch eine Teestube, aber keine Bank zum einfach in den Schatten setzen.
Das hier ist die Audienzhalle, in der früher Gesandte empfangen wurden. Hier gibt es die zwei grössten Silberkessel der Welt. Zur Krönung König Edwards (1901) wurde Gangeswasser mit nach England genommen, damit der Maharaja nicht dreckiges, englisches Wasser trinken musste:

Die Audienzhalle in einem Hof ist ganz in rosa gehalten. Hier stehen die silbernen Vasen, in denen Gangeswasser zur Krönung König Edwards nach England mitgenommen wurde.

Eigentlich wäre dies ein Ort für ein schönes Kaffee.

In Indien sind Strassenkaffees eher unbekannt. Es gibt Kiosks und Strassenhändler, die etwas verkaufen, das man dann sofort verzehrt. An Strassenhändler geht man am besten schnell vorbei, wer stehenbleibt, muss mit indischem Englisch kämpfen:

Nur schnell an den Strassenhändlern vorbei, nicht stehenbleiben.

Direkt am Eingang halten Wachen die Händler ab, ab hier sind nur noch lizenzierte Anbieter von Touristenbedürfnissen.

Sobald das Tor durchschritten wird, gibt es eine andere Welt.

Die sich dann auch genauso verhalten, wie es die Touristen erwarten:

Hier bläst ein Schlangenbeschwörer auf seine Flöte und die Kobra kommt aus dem Korb.

Aber schön sind die Details gepflegt:

Die Ausschnitte von Fenstern und Gängen sind reich mit geometrischen Mustern dekoriert.

Auch in dem "Willkommenspalast" (Mubarak Mahal) gibt es keine Gastronomie. Obwohl dies eigentlich der richtige Platz wäre.

Stattdessen wurde hier ein Museum eingerichtet, dass Maharaja Fashion, also die Sachen, die die angehabt haben, ausstellt.

Im Willkommenspalast verschmelzen indische, europäische und islamische Architekturelemente

Ein erfolgversprechender Platz zum Ausruhen könnte der Tempel in der Nähe des Palasts sein.

Es ist ein Krishna Tempel, da dürfen auch Europäer eintreten:

Zwei Eingänge zum Tempel des Krishna in Jaipur

Es passiert schon was im Tempel:

Zwei gekämmte und frisch angekleidete Jungen eilen zum Tempel

Die Bänke vor dem Tempel wären eigentlich genau richtig, aber die sind ja schon besetzt:

Alle sind im Tempel und hören zu, links vor dem Tempel ist eine Bank

Ein Blick ins innere des Tempels verrät, dass hier aus einem Buch rezitiert wird. Vermutlich wird aus der Bhaghvat Gita, dem bekanntesten Teil der Mahabharata, vorgelesen.

Die Mahabharata ist übrigens eines der Hauptwerke des Hinduismus, in der Sachen stehen, die man so nicht erwartet. Hauptpersonen sind vier Brüder, die unterschiedlichen Kasten angehören und eine gemeinsame Frau haben. Im heutigen Indien ist so etwas vollkommen unmöglich!

Die Story beginnt mit einem verloren Würfelspiel, in dem der Brahmanenbruder das Königreich für 10 Jahre an Vettern verliert. Also gehen die Brüder in den Wald und kommen nach 10 Jahren zurück, um ihr Königreich wieder zuholen. Darüber gibt es dann einen Streit und es kommt zu einem großen Krieg zwischen Vettern. Die Bedenken gegen einen Vetternkrieg werden in der Bhaghvat Gita ausgeräumt.

Es wird aus einem Buch im Tempel vorgelesen, alle lauschen andächtig

Aber weiter auf der Suche nach einem Platz zum relaxen:

In einem Tordurchgang kommen Fußgänger und Dreiräder entgegen.

Beim nahegelegenen Sternenobservatorium kann man Skulpturen zur Messung von Sonnefinsternissen und Umlaufbahnen von Planeten betrachten.

Es gibt Skulpturen zur Astronomie zu sehen

Das ist aber nur für Astronomen und Astrologen interessant. Aber hier findet sich eine Bank zum Ausruhen, von der sich prächtig indische Touristen beobachten lassen:

Hinter dem Gitter schauen sich indische Touristen indische Sehenwürdigkeiten an.

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Thomas Gawehns