Dienstag, 13. November 2018

Der tropische Garten von Funchal

An letzten Tag in Funchal hieß es mit der Seilbahn nach oben fahren. Dort sollte es Gärten und unbezahlbare Aussicht geben. Ob es dort auch so etwas wie Kultur und Geschichte gäbe, fragte ich gar nicht.

Mit dem Bus ging es zum Hafen. Zielstrebig fanden wir die Talstation an der Hafenpromenade, schauten auf die Preisliste und fragten uns kurz, ob wir nur die Auffahrt oder auch die Rückfahrt buchen sollten.

Wie sollten wir sonst zurückkommen? Das war so weit oben, dass das zu Fuß gar nicht ging. Ein Bus wäre wohl billiger, aber die Altstadt von Funchal hinter der Hafenpromenade sollte auch sehenswert sein. Am Nachmittag wollten wir wieder hier unten sein und so kauften wir das Rückfahrticket und verzichteten so auf ein Erlebnis.

Es ging nach oben und wir bestaunten die verbrannten Hänge von Funchal. Was hatte es hier gebrannt.  Bis in die Straßen brannte es wohl. Von einigen Anwesen waren nur noch die nackten Mauern zu sehen. Angeblich war der tropische Garten von den Bränden nicht betroffen.

Wir landeten an der Bergstation und suchten nach dem tropischen Garten. Wieder war ein Ticket fällig. Kurz hielt ich inne, aber es musste einfach sein. Also dann galt es auch in der Stadt die Natur zu besichtigen.


Ein Fliesenmosaik bewachsen mit Efeu

Ich erwartete Kulturelles nur in Form von solchen Fliesenmosaiken.

Die Karte am Eingang zeigte die Ausmaße des Gartens. Wir hatten bezahlt und wollten schon ein paar Stunden hier verbringen. Deswegen nahmen wir den großen Rundweg und nicht die Treppen direkt herunter.

Wir kamen an solchen Tafeln vorbei, die ich zunächst gar nicht groß wahrnahm, da mich die farbige Kunst mehr interessierte.

An der Wegseite ist afrikanische Kunst aufgestellt.

Die zweite Tafel studierte ich und ging zur ersten zurück. Sie erzählten von der Geschichte Portugals. Wie stolz sie vom Sieg über die Mauren erzählten. Danach mussten die leeren Gebiete im Süden Portugals besiedelt werden. Dazu entwickelte sich eine Struktur, in der Siedlungsgebiete an Verwalter verpachtet wurden. Diese erhoben Steuern und bezahlten die Infrastruktur. Vermutlich ging ein Teil davon auch an die Krone.

Mit Madeira funktionierte das dann auch so. So konnte die zunächst nur von Fischern temporär genutzte Fischerinsel besiedelt werden. Die Täler waren zunächst gar nicht miteinander verbunden.

Die Einwohner Madeiras kamen nicht von der Küste, sondern vom Alentejo, dem Bergland Portugals. Das erklärt auch das Gedicht am Hafen von Paul do Mar. Sie sehen sich nicht als Fischer und Seefahrer, sondern in erster Linie als Bauern.

Wenig später entdeckte ich den Anblick von Kultur:

Die Kirche lugt zwischen Baumzeigen hervor

Das war die Kirche vom Berg. Wir nahmen uns vor dort nach einem Restaurant für die Mittagszeit zu suchen.

Grüner Brunnen vor grünen Gewächsen

Langsam verfiel ich der Magie der grünen Farben. Mein Auge konnte sich kaum sattsehen an dem Schattenspiel der Blätter. Dazu passte das dunkle Grün des Mooses.

Die Schritte wurden hier einfach langsamer. Der Garten wollte genossen werden. Eine Familie mit zwei Kindern eilte an uns vorbei. Eltern mit Kindern hatten weniger vom Garten.

Nach einer Kurve sahen wir den Teich am unteren Ende des Gartens. Die Treppen im Hintergrund können von Besuchern mit weniger Zeit genommen werden.

Durch den längeren, kurvigen Weg trafen wir hier verzaubert ein.

Wasserfall und Fontänen im tropischen Garten

Wie lange wir um den Teich flanierten, habe ich vergessen. In der Erinnerung ist es immer noch ein "toll".

Torso einer weiblichen Figur mit Blumen#

Dieser Torso war eine Mischung aus Frauengestalt und Pflanze. Was sich dahinter wohl für eine Geschichte verbarg?

Der Teich am Ende des Gartens

Nach der erfolgreichen Umrundung der Teichanlagen hörten wir an einer Ecke ein Geschrei von außerhalb des Gartens.

"Die haben aber ihren Spaß", meinte meine Frau. Wir mussten sehen, was das war. Etwas rutschte auf dem Pflaster.

Ich erinnerte mich an eine Sendung über die Korbschlitten von Funchal. Das hatten wir am Morgen vergessen!

Mit der Seilbahn hinauf und dann mit dem Schlitten herunter, das wäre der touristisch korrekte Plan gewesen.

Sollten wir das Rückfahrtticket verfallen lassen?

Zunächst ging es zurück zum Eingang.

Orchideen im Garten von Funchal

Bei den Orchideen musste ich mich als Pflanzenfotograf versuchen. Wenn ich das richtig hätte machen wollen, hätte ich das Stativ mitgenommen.

Genug Licht war vorhanden, sodass das auch aus der Hand funktionierte.

Chinesisch rotes Tor im Garten

Oben in der Nähe des Ausgangs kamen wir in den chinesischen Teil des tropischen Gartens. Das Rot dieser Tore erinnerte mich an die Tore vom Hua Shan. Dort hatte ich so etwas zuerst gesehen.

Obwohl die Farne und Palmen so gar nicht zu den kargen Höhen in China passten.

Bunt bemalte Terrakotta Krieger im Garten

Das sah nicht nur so aus, wie Nachbauten der Terrakotta Armee. Laut der Tafel am Rand waren sie es auch. Im Gegensatz zu ihren Kollegen in China waren diese angemalt, wie sich das gehörte. Hier war man in den farbigen Subtropen und nicht im chinesisch grauen Lößland.

Wir machten uns auf den Weg zur Kirche am Berg. Von weitem sahen wir Schlitten, fein säuberlich an den Mauern aufgereiht. Ein Bus hatte seine touristische Ladung entleert. Die Piloten der Korbschlitten schlurften umher und legten rufend eine Reihenfolge fest.

Zum Glück hatten wir schon das Rückfahrticket gelöst. So etwas kam für uns nur als Rudelaktion infrage.

Die Kirche hatte auch wieder ihre Geschichte, die auf Tafeln beschrieben war. Allerdings bewegte mich nichts zum Zücken der Kamera. Ich erinnere mich noch an das Restaurant am Rande des Platzes. Dort kehrten auch die Schlittenfahrer ein.

Im Hafen von Funchal fährt die Santa Maria ein

Auf der Talfahrt erheischte ich einen Blick auf die nachgebaute Galeone. Angeblich sollte man sich wie Christopher Columbus fühlen, wenn man einen Ausflug buchte.

Am Abend vorher war sie mir gar nicht aufgefallen. Für die mächtigen Mauern am Hafen war sie wohl einfach zu klein.

Ein Graffiti in der Avenida do Mar von Funchal

Hinter der Avenida do Mar lagen die Gassen mit dem pulsierenden Leben von Funchal. Die Restaurants hatten ihre Speisekarten auf Deutsch, englisch, französisch und auch portugiesisch.

Wir nahmen eine Art englischen Pub. Jedenfalls war der Ober aus England mit englischem Humor. Zwar habe ich den Witz vergessen, aber er hat sofort funktioniert.

Bei der großen englischen Kolonie in Madeira gehörte solch ein Restaurant schon dazu.

Am Pool vom Hotel die Palmen.

Am nächsten Morgen ging es zurück nach Deutschland. Am Vormittag konnte ich noch einmal im Pool baden und die Palmen genießen.

Sollte ich noch einmal nach Madeira kommen?

Schön war es. Ein Auto brauchte man schon.