Sonntag, 29. Mai 2016

Pucllana: die Pyramide in Lima Miraflores

Man glaubt es kaum, aber an Rand von Miraflores, dem edlen Stadtteil Limas am Meer, gibt es eine präinkaische Sehenswürdigkeit: den Huaca Pucllana. Es gab vor den Inkas Kulturen in Peru, die auch etwas hinterlassen haben. In dem Fall war es ein Komplex mit Bauwerken aus Lehmziegeln.

Der ganze Tag war kulturell geplant: Zunächst die Pyramide und danach, weil wir ja schon im wir-besuchen-Museum-Modus waren, kam ein Besuch im Museum Larco, in dem Schätze des alten Peru ausgestellt sind. Herrlich gearbeiteter Grabschmuck war dort zu sehen.

Abgeschlossen wurde der Tag mit einem Abendessen im Restaurant Huaca Pucllana. Die wurden ihrem Ruf erstklassige peruanische Küche zu servieren auch vollständig gerecht. Mit dem Stativ machte ich dann einige Nachtaufnahmen.

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Nur im Rahmen einer Führung kann der Komplex um den Huaca Pucllana besucht werden. Man kann sich hier nicht frei bewegen, sondern es gilt einem Führer zu lauschen und immer in der Gruppe zu bleiben. Zum Glück einen die Gruppe nicht allzu groß und zum anderen durfte man immer mal wieder in Ruhe Fotos machen.





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Zunächst ging es um die Pyramide herum. Diese war großflächig eingemauert. Es gab Plätze mit Altären, an denen Zeremonien durchgeführt wurden.

Als Motiv finde ich den Gegensatz zwischen den Betonhäusern im Hintergrund und den Lehmziegelmauern im Vordergrund interessant.

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Als es die Pyramide herauf ging, war Gelegenheit, das Motiv noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wie nah die Vergangenheit  doch manchmal ist.

Allerdings stören die Pyramiden auch die Expansion der Stadt, so dass umtriebige Baufirmen schon einmal einfach eine solche abräumen, um die Fläche entwickeln zu können. Um so besser, dass diese hier in einem schon entwickelten Stadtteil Limas liegen.

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Oben war dann die Grabstätte von einem Krieger oder Fürsten. Zu erkennen ist ein Knäuel, das mit Schilfseilen zusammengehalten wird. Oben hat es eine Tonkopf. Der Führer erzählte ganz stolz von diesem Fund und ich machte ein Foto von der Tafel neben dem Grabmal:

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Diese Tafel erzählt eine etwas andere Geschichte. Hier ist gar nicht die Rede von einem Krieger, sondern von einer Strickerin, einem Fischer und einigen geopferten Kindern. Oben steht Tumba Wari. Wari ist die Bezeichnung einer Kultur im Norden Perus, die dort unmittelbar vor den Inkas existierte. Tumba ist das spanische Wort für Grab.

Vermutlich war der Fürst gar nicht einer Erwähnung wert. Das Grab wurde mit Personal und Kinder angereichert, damit dieser nicht so alleine war.

In jedem Fall hat auch diese Kultur irgendwie zu viele Menschen gehabt. Darüber habe ich ja schon in dem Artikel vom Besuch bei Caral schon berichtet.

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Als wir weiter gingen, sah ich wie an der Pyramide gebaut wurde. Der Führer betonte, dass nur kontrolliert brüchige Lehmziegel durch frische ersetzt wurden. Das legt natürlich den Verdacht nahe, dass hier eine Art Disneyland geschaffen wird. Es gibt ja keine Unterlagen, wie die Pyramide geplant war. Und auch keine Bilder, wie sie zur Blütezeit mal ausgesehen hat.

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Weiter hinten war dann die Produktion von  diesen neuen Lehmziegeln. Das war nicht viel anders, als es vor tausend Jahren auch lief. Ein Mann stampft in einem Becken Lehm, formt dann die Ziegel und lässt sie trocknen. Vermutlich hat er für den Ziegel eine Form. Diese haben ja alle die gleichen Ausmasse. Trotzdem gab es für den Transport der fertigen Ziegel keine Schubkarre und auch keinen Esel. Das haben damals die Leute alles selber getragen.

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Da liegt ja schon einiges an Material herum. Jeder dieser Ziegel wurde an seinen Ort getragen. Vermutlich hat eben diese gemeinsame Tätigkeit den Zusammenhalt in der Gruppe hergestellt. Wer beschäftigt ist, streitet sich nicht. Mir wurde von einer Großmutter erzählt, die auf ihre Enkel aufpassen sollte. Jeden Abend mussten diese Getreidekörner der Größe nach sortieren. Das hatte zwar keinen Zweck, dafür war dann aber Ruhe.

Über den Mittag besuchten wir das Museo Larco. Dort wurden neu gefundene Totenmasken aus der Präinka Zeit gezeigt. Am Anfang der Ausstellung wurde an einer großen Wand Peru und die Strömungen des Pazifiks gezeigt. Das Wetter in ganz Peru wird seit tausenden von Jahren von diesen Zyklen beherrscht. Wie in Bandurria gesehen, reicht im Prinzip ein Kreis mit Einkerbungen in Ost und West aus, um die Tag und Nachtgleiche zu beobachten. Und schon gibt es einen Kalender, mit dem die Landwirtschaft geplant werden kann.

Es entsteht dann eine Schicht von Leuten, die das Wetter vorhersagen können und die Geschicke der jeweiligen Kulturen leiten. Darunter gibt es Arbeiter und Bauern. Die, die das Wetter vorhersagen, leiten die Geschicke und alle sind so glücklich, dass aus Dankbarkeit besonderer Schmuck für die Chefs angefertigt wird. Dieser Schmuck wurde in der Ausstellung gezeigt.

Leider wächst die Bevölkerung in diesen Kulturen. Bei der Moche Kultur gab es deswegen rituelle Wettkämpfe, bei denen gekämpft wurde, welches Dorf überlebt. Die Verlierer wurden ertränkt oder von Bergen gestürzt.

Die Inkas eroberten die Nachbarkulturen. Sie räumten die Täler anscheinend vollständig aus und ließen niemanden am Leben. So wurde dann Lebensraum für ihre Kultur geschaffen.

Die Chimus verdrängten, zumindest in Lima, die Wari Kultur. Vermutlich machten sie das ebenso konsequent. Jedenfalls war einfach niemand mehr da, der diesen Hügeln Bedeutung zu sprach. Und aus einer Lehmziegelpyramide wird schnell ein einfacher Hügel. Die Ziegel werden bröckelig, die Stufen sind nicht mehr zu erkennen. An einigen Stellen wachsen Büsche oder Bäume. Niemand weiß, wer da vorher gelebt hatte. Zum Glück hat jemand diesen Huaca Pucllana rechtzeitig entdeckt. Wer das war, bringt eine einfache Google Anfrage nicht in Erfahrung. Die früheste Quelle scheint ein Bericht 1981 zu sein, jedenfalls laut einem Wiki Artikel. Das würde auch erklären, warum ich den 2013 zum ersten Mal besucht habe. In den 80ern kannte die Verwandschaft diese Attraktion einfach noch nicht.

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Den Tag beschlossen wir mit einem Abendessen am Huaca Pucllana. Es ist ein erstklassiges Restaurant. Nur kann man das Fotografieren mit Stativ vergessen. Die Pyramiden wurden zwar angestrahlt, aber im Gelände durfte man sich nicht aufhalten. Meine Nachtaufnahmen zeigten dann nur dieses eine Motiv.

Dies ist der dritte Beitrag meiner Reise nach Lima 2012. Der zweite Beitrag behandelt die Veränderungen in der Altstadt Limas, die heute nicht mehr den Beinamen "La Horrible" hat.