Montag, 16. Mai 2016

Lima la horrible

Vor fünfundzwanzig Jahren war Lima wirklich schrecklich. Für den 'Gringo' war ein Besuch damals immer unsicher und ich fühlte mich nie wohl dabei. An übervolle Mikrobusse, Menschenmassen und fliegende Händler konnte ich mich erinnern. Aber nie an ausgedehnte und entspannte Spaziergänge. Und deswegen war ich recht überrascht, als es 2012 hieß. "Ach, schaut euch doch mal die Altstadt in Ruhe an". Es hätte sich viel verändert und es sei sogar 'hübsch' geworden.

So nahmen wir den Bus bis zur Plaza Grau und schauten uns unsicher um. Gegenüber war angeblich der Ort für den besten Pisco Sour Limas, aber es war ja noch früh am Morgen und so spazierten wir einfach in die Stadt.

Ein Blick zum Zentrum Limas von der Plaza Grau.

Und ich mir wurde bewusst, wie sehr sich das schreckliche Lima im Lauf der Zeit geändert hat. Vor 25 Jahren war es unmöglich so durch die Altstadt Limas zu flanieren.



Eine Szene aus der Altstadt Lima

Das ist so ein Bild von einer typischen Häuserzeile im Umkreis des eigentlichen Zentrums. Es ist nicht besonderes los, einfach nur Leute, die einkaufen gehen. Und genau das ist der Unterschied zu den achtzigern. Damals warteten überall Menschen, die kaufen oder verkaufen wollten. Oder auch solchen, die auf der Suche nach jemanden zum Bestehlen waren. Es war ja Hyperinflation damals. Das bedeutete zwar jeden Monat mehr Geld, aber das verlor sofort wieder an Wert. Am Anfang des Monats wurde irgendetwas gekauft, das dann im Lauf des Monats verbraucht wurde oder leicht verkauft werden konnte.

Wer nichts zu verkaufen hatte, lungerte auf den Straßen herum. Wenn er ein Opfer sah, schnell zugreifen, nehmen und wegrennen. Meine Frau empfahl mir damals immer auf junge Männer mit Turnschuhen zu achten. Ich wollte ihr zeigen, dass sie nun ja nicht alleine war und nahm sie in den Arm. Nach zwei Schritten war auf einmal eine fremde Hand in meiner Tasche, die versuchte meine Börse herauszuziehen. Ich war schneller. Als ich das dann im Kreis der Familie erzählte, mahnten alle, so etwas nie noch einmal zu machen. Normalerweise würden die in Gruppen arbeiten. Und die hätten manchmal Messer oder Rasierklingen dabei. So habe ich mir abgewöhnt auf Reisen die Geldbörse in der Hosentasche zu tragen.


Ein Tor schliesst das Barrio Chino ab.

Das einzige Viertel in dem man damals mehr oder weniger sorglos herum laufen konnte, war das Barrio Chino, das Chinatown in der Altstadt. Ein herrliches Frühstück nahmen wir dort einmal ein. Das kann man heute wohl auch noch, aber das historische Zentrum ist viel sehenswerter.

Blick in das chinesische Viertel Limas

Obwohl es auch immer noch sehenswert ist. Mittlerweile gibt es eine Art Fußgängerzone, die noch dazu ziemlich aufgeräumt aussieht. Wir waren recht früh und wollten weiter zur Plaza de Armas fort.

Ansicht von der Kirche San Pedro in Lima

Es geht an der Kirche des San Pedro vorbei. Diese ist, wie fast alle Kirchen Perus, eher schmucklos. Man könnte mehr erwarten, immerhin wurde Lima Mitte des 16ten Jahrhunderts gegründet. Gotische Architekturen sollten eigentlich bekannt gewesen sein. Aber so richtig viel Aufwand wurde für die Kirchen nie geleistet. Sie waren nicht Stiftungen von stolzen Kaufmännern oder frommen Fürsten, wie es in Europa der Fall war, sondern eher Markierungen von wichtigen Plätzen.

Blick auf die Strassen der Altstadt Lima

Es muss an dieser Stelle gewesen sein, an der ich damals meine Prämie in Dollars umtauschte. Zugesagt wurden mir 1000 Dollar, bekommen hatte ich eine Tüte mit Intis, der damaligen Währung. Mit meiner Lieblingsschwägerin fuhr ich herum und wir suchten jemanden, der mir das eintauscht. Obwohl es verboten war und gefährlich, hatte es funktioniert. An dieser Ecke haben die Geldtauscher dafür gesorgt, dass so ein Minimum an Sicherheit vorhanden war. Und in dem alten Volkswagen vermutete niemand eine solche Menge Geld.

Blick auf den Plaza de Armas von Lima

Und schon sind wir an der Plaza de Armas. Mit einer richtig flatternden Fahne im Wind. Unser Weg geht gerade quer darüber.


Blick von der Kathedrale zum Präsidentenpalast Limas

Hier sitzen Touristen auf der Treppe, hinten ist der Präsidentenpalast zu sehen. Es sind kaum Militärs oder Militärpolizei zu sehen.

Blick auf die Balkone Limas

Hier der Blick zurück auf die alten Häuser von Lima. Typisch sind die mehrstöckigen, säuberlich renovierten Balkons. Diese sind auch ein Grund weswegen das historische Zentrum Limas Weltkulturerbe ist.

In der Mitte befindet sich die Hauptpost von Lima

Das hier ist tatsächlich der Eingang zur Hauptpost. Hinter den Sonnenschirmen geht es links hinein, wenn man Briefmarken kaufen will. Unterwegs kann man sich noch mit Souvenirs eindecken.

Blick auf den San Cristobal von Lima.

Der San Cristobal von Lima erhebt sich auf der anderen Seite des Flusses Rimac. Dort oben an den Hängen der Lima umgebenden Berge sind die Barrios Altos. In den 90ern waren hier die Terroristen aktiv. Heute ist die Sicherheit in Lima so groß, dass in den Nachrichten empört über Banden berichtet wird, die dort Taxis und Pendler ausrauben, wenn sie im Stau stehen. Früher wäre das nicht einer Erwähnung wert gewesen. Wer das Gipfelkreuz besichtigen will, sollte das immer noch nicht auf eigene Faust unternehmen. Wie gesagt, wenn das Taxi im Stau steht, ist man leichte Beute.

Auf dem Weg zur Casa de la Literatura Lima

Nun geht es an der Casa de la Literatura von Lima vorbei. Dies ist nicht nur wegen des Literaturnobelpreisträgers Vargas Llosa interessant, sondern es gab wohl um 1900 herum schon eine Literaturszene in Peru. Auf der Rückseite öffnet sich das Gebäude zum Rimacufer. Dort unten ist auch ein interessantes Kaffee, in dem dann Bücher gelesen werden können.

Am Ufer des Rimac wurden Teile der alten Stadtmauer Limas freigelegt.

Wir gingen einfach weiter zum Ufer des Rimac. Der Strand des Flusses wurde aufgeräumt und zu einem Park, dem parque de la muralla, der alten Stadtmauer Limas ausgebaut. In den 80ern war hier ein Slum, der immer mal wieder überschwemmt wurde.

Das Pizarro Denkmal im Park de la muralla Lima

In diesem Park am Rimac steht auch das Denkmal von Pizarro, der Peru eroberte. Die Statue stand auf verschiedenen Plätzen, je nachdem, ob die vorwiegende Stimmung im Land war. Mal sah man ihn als Ausplünderer, mal als Zivilisator. Nun steht er unten am Rimac am Rande des Parks.

Vor der Basilika de San Francisco

Zuück in die Altstadt kamen wir zur Basilika de San Francisco. Auf der gegenüberliegenden Seite arbeitete in einem Hauseingang 2012 ein Maler, der seine Werke verkaufte. Wir erstanden zwei kleine Bildchen. 2015 hatte derselbe eine Ausstellung neben der Casa de Literatura. Selbst die Malerei entwickelt sich also in Peru.

Ein alter, aber gepflegter Bus in den Strassen von Lima.

Als wir wieder in dem Haus meiner Schwiegermutter waren, sah ich diesen alten Bus. In den alten Zeiten fuhren neben den Kleinbussen nur solche alten Busse mit ungewartetem Motor durch Lima. Wenn sie Gas gaben, hinterließen sie immer eine graue Wolke, die im Sommer den Nebel schwarz färbte. Es war wirklich schrecklich!

Ein Park zwischen den Fahrspuren einer breiten Strasse

Am Ende der Straße, in der meine Schwiegermutter lebte, befindet sich ein auf den ersten Blick unspektakulärer Park. Jedenfalls ist er aus europäischer Sicht unspektakulär. Er ist das Resultat einer Rechnungslegung für lokale Ausgaben. Dies war eine der Reformen, die Peru als Gesellschaft nach vorne brachte. Die Gemeinden konnten Abgraben erheben und mussten dafür aber erklären, wofür diese verwendet werden. In diesem Stadtteil kam der Bürgermeister auf Idee, Abgaben zur Verschönerung der Umgebung zu erheben. Im ersten Jahr geschah nichts, im zweiten forderten die Hauseigentümer die Bewässerung der Grünfläche zwischen den Fahrspuren der breiten Straße. Und schon entwickelten sich diese grüne Oase.

Von den lokalen Abgaben werden auch lokale Streifenpolizisten bezahlt. Je nach Viertel hat es also in Lima eine gewisse Sicherheit auf den Straßen.

Ein Graffiti in Lima auf einem Strassenkiosk

Zum Schluss stelle ich ein Foto eines künstlerischen Graffities. Mich hat es einfach überrascht, weil ich es nicht erwartet habe, einfach nur öffentliche Kunst zu sehen, in dieser Stadt, die einmal den Beinamen "die Schreckliche" gehabt hatte.

Dies ist der zweite Beitrag meiner Reise nach Lima 2012. Der erste Beitrag behandelt den Ausflug nach Caral, der ältesten Stadt Amerikas. Der dritte Beitrag beschreibt einen Besuch der Huaca Pucllana und des Museo Larco.