Sonntag, 31. Mai 2015

Prinzeninsel gar nicht so weit weg von Istanbul, aber doch ganz anders

Die Prinzeninseln vor den Toren Istanbuls standen zum Besuch an. Zwar hatte die Vermieterin der Ferienwohnung uns zu einem Besuch eingeladen, aber wir hätten da ja nur auf der Veranda gesessen, ihren Erzählungen gelauscht und eigentlich nichts gesehen. So beschlossen wir, einfach das Schiff nach Büyükada zu nehmen. So heißt die Stadt auf der letzten und grössten Prinzeninsel.

Es war ein herrliches Licht für Aufnahmen wie diese, die ich vom Gipfel der Insel gemacht habe:

Herrliches Panorama mit Ausguck

Aber der Weg dorthin hat doch so manches an Überraschungen geboten.

Nach dem Ablegen war das Boot so ruhig im Wasser, dass dies Foto auf dem Dolmabahce Palast gelang. Hat nur indirekt etwas mit den Prinzeninseln zu tun. War der Topkapi Palast noch zum Regieren der normalen Reichsangelegenheiten, so ist der Dolmabahce Palast abgehoben und der Sultan nur noch Symbol einer bürokratischen Herrschaft. Hier wurden nur noch Staatsgäste empfangen, aber keine Provinzhauptleute. Es wurden bestimmt auch keine Streitereien geschlichtet.

Ursprünglich war der Sultan in erster Linie Heerführer und Eroberer, deswegen durfte es auch nur einen geben. Wenn also ein Sultan starb, bestimmte die Elitetruppe, die sogenannten Jantischaren, aus seinen Söhnen einen Nachfolger. Die Brüder, die damit nicht einverstanden waren, wurden ermordet. Erst als Mehmet III vollständig alle 19 Brüder töten ließ, hat sich das geändert. Ahmed I hielt seine Brüder unter Hausarrest im Prinzenkäfig und später dann eben auf den Prinzeninseln.

Aber es gibt noch ein bisschen mehr Geschichte auf den Inseln.

In dem Palast residierte der letzte Kalif

Der Blick zurück von Büyükada zeigt wie weit sich Istanbul auf der asiatischen Seite breit gemacht hat. Im Hintergrund die Stadtteile sind im Reiseführer nur beschrieben werden, wenn es um den Weg vom asiatischen Flughafen in das Zentrum Istanbuls geht.

Ich glaube der rote Rettungsring im Vordergrund hat mich zu dem Foto inspiriert.

Blick zurück nach Istanbul von der Anlegestelle Büyükada

Auf der Insel gibt es wirklich keine Autos. Das war ja auch so angekündigt. Wir überlegten kurz, ob wir ein Fahrad mieten sollten. Aber ein Blick auf die Karte genügte, die Insel muss so klein sein, bis zum letzten Schiff am Nachmittag sollten wir alles wichtige gesehen haben!

Später noch sollte sich zeigen, dass es wirklich keine so gute Idee ist, Fahrräder zu mieten.

Es können Fahrräder in der Nähe gemietet werden.

Was machen Deutsche auf einer Insel, wenn sie nicht am Strand liegen? Richtig! Nach oben auf den Berg, auf den Gipfel. Also marschierten wir immer bergauf. Vom Hafen aus geht man einfach immer geradeaus nach oben.

Im Hintergrund das Haus könnte das älteste Holzhaus Büyükadas sein:

Ein grosses und prächtiges Holzhaus in Büyükada

Für Fußgänger gibt es immer auch Abkürzungen, so wie in Istanbul am Taksim Platz. Ein Grund auf das Fahrrad zu verzichten!

Auf Treppen kann manche Abkürzung genommen werden.

Mal innehalten und hinunterschauen auf das, was schon geschafft wurde.

Blick zurück zum Hafen von Büyükada

Ein weiteres, eher altes Holzhaus. Wie wunderbar grün doch der Frühling anfing!

Altes, verwittertes Holzhaus am Weg

Es wurde malerischer. Oben kamen wir auf einen Rücken und wir konnten verschnaufen und einfach nur Panoramen ansehen.

Ausblick auf die asiatischen Stadtteile Istanbuls

Es gan immer auch malerische Seitengassen.

Blick in eine Seitenstrasse in Büyükada

Und immer wieder gibt es Pinienhaine, die den Blick auf das Meer freigeben.

Panorama durch ein Pinienhain

Oben werden die Anwesen, jedenfalls die, die auf den direkten Weg zum Gipfel liegen, eher funktionaler. Hier wird gearbeitet.

Haus in Büyükada auf dem Weg zum Gipfel

Das ist nun ein Blick direkt auf das asiatische Istanbul. Laut unserer alten Karte sollte da eigentlich mehr so Wald sein. Das müssen die in den letzen 10 Jahren gebaut haben.

Blick auf die asiatischen Stadtteile Istanbuls

Danach wird der Weg flacher und führt durch einen Wald mit Pinien. In der Mitte des Waldes fanden wir dieses alte, verlassene Geisterhaus. Von hier sieht es noch eher normal aus, später, auf dem Weg zum richtigen Gipfel, sieht es noch viel, viel grösser aus.

Altes Hotel ganz aus Holz auf Büyükada

Zu unserem Entsetzen ging der Weg wieder hinunter. Es gab weit und breit keine grosse Aussicht mehr. Stattdessen kamen wir auf eine Art Droschkenparkplatz. Wir hätten hier auch per Droschke hinkommen können. Aber die Bilder zeigen mir, dass sich die Übung gelohnt hatte.

Gegenüber geht dann ein ganz steiler Weg nach oben, zum Gipfel. Wir stärkten uns in einem Restaurant und setzten zum Gipfelsturm an.

malerische Pferdedroschke auf Büyükada

Etwa in der Mitte des Weges gab es diese Aussicht auf das Hotel "Prinkipo Palas", erbaut 1889, leer seit 1964, beschlagnahmt vom türkischen Staat 1997 und 2010 an die orthodoxe Kirche übergeben.

Holzhotel im Pinienwald von Büyükada

Ganz oben am Gipfelt gibt es dann eine kleines Plataue mit Aussicht über alles. Neben dem Foto am Anfang des Beitrags habe ich noch dieses hier:

Aussicht vom Gipfel Büyükadas

Selbstverständlich gibt es auf dem Gipfel eine orthodoxe Kirche, die auch noch richtig in Betrieb zu sein scheint.

Auf dem Gipfel ist eine orthodoxe Kapelle

Und es gibt noch mehr Aussicht:

Aussicht auf die asiatischen Stadtteile Istanbuls

Das ist nun ein Blick über die Nachbarinsel Richtung Sultanahmed und Istanbul Skyline.

Blick in Richtung Sultanahmed von Büyükada

Aber romanischer sind doch eher solch Kompositionen.

Aussicht unter Pinien

Genug der Aussicht, noch einmal Abschied von der unerwarteten, aber nicht der einzigen orthodoxen Kirche der Insel. Zu erwähnen wäre noch, dass hier oben ein eher griechisches Restaurant ist. Es gibt also keinen Grund unten am Droschenparkplatz einzukehen.

Auf dem Gipfel ist eine orthodoxe Kapelle

Auf dem Weg nach oben habe ich dieses Schild hier gesehen. Ich fand es zunächst ein wenig übertrieben, bis wir von solchen Radfahrern überholt wurden. Das ist auch der Grund, weswegen ich vom Fahrradfahren hier abraten würde. Es ist einfach zu steil und man würde die ganzen Bilder und Momente des einfach nur Staunens nicht haben.

Ein Bild mit Warnung

Wir haben dann den eher flachen Weg vom Droschkenparkplatz zum Hafen genommen. Hier wohnt man eher repräsentativ und schaut auf das Mittelmeer hinaus.

Holzhaus auf Büyükada

Die Villen sind hier auch viel prachtvoller.



Anscheinend brauchen sich die orthodoxen Christen zu mindestens hier nicht zu verstecken.

Auf Büyükada eine Kirche

Hier hat einer seinen Ausguck für die Familie. Dort kann er seine Geburtstage feiern und alle können das Meer sehen.

repräsentatives haus auf büyükada

In der Hafenstadt ist tatsächlich kein Auto unterwegs. Brav wird zu Fuß gegangen. Keine Motorrad, kein Auto stört.



Die Anlegestelle fiel am Anfang des Ausflugs gar nicht auf. Da hatte ich nur den Blick von wo ich herkomme und wo ich hin will. Aber am Ende des Tages wartet man auf die Fähre und dann fällt sie doch auf:



Dies war der vierte Teil der Istanbulreise, der dritte Teil beschrieb den Besuch des Topkapi Palasts. Im fünften Teil wird ein richtiger Hardcore Touristen Tag gemacht, in dem Hagia Sofia, blaue Moschee, Zisterne und der grosse Bazaar besucht werden.