Montag, 19. März 2018

Budapest - ganz fremd

Da blickte ich hinunter auf Buda oder Pest. Auf was, wusste ich nicht. Auf einer Seite der Donau war Pest, auf der anderen Buda. Am Tag zuvor kamen wir in Budapest an. Direkt am Flughafen konnte man ein drei Tagesticket für die Busse und Bahnen kaufen, mit dem auch Fahrt in die Innenstadt bezahlt war. So sparten wir die Fahrt mit dem Taxi ein und spürten schon mal den Flair des neuen, unbekannten Landes.

Und fremd kam mir das Ungarn vor. Es legte einen herein, weil das, was da in lateinischer Schrift zu lesen war, sich doch nicht zu bekannten Wörtern oder Strukturen zusammen setzen ließ. Die Aussprache war dann wieder ganz anders. Das machte die Fahrt mit der Bahn in die Stadt entsprechend interessant. Zum  Glück saß man sich auf Holzbänken gegenüber. Ein Plan mit den Linien war nicht auszumachen und jede Station versteckte die Namensschilder auf kreative Weise. Die Lautsprecheransagen passten nicht zur Schreibweise der Stationen. Unser Gegenüber blickte auf die Adresse des Hotels und zeigte mit der Hand die Zahl der Haltestellen, bis wir zu wechseln hatten.

Unser Hotel lag von hier oben aus gesehen schräg hinter dem Parlament. Das ist das Gebäude mit der Kuppel am Horizont. Im Hotel gab es tatsächlich die versprochene Einrichtung aus der Jugendstilzeit. Im Untergeschoss war damals wohl auch ein Jazzkeller.

Die Strasse hinauf zum Burgberg, der Blick zur Donau zur Rechten.

 Am nächsten Morgen ging es hinauf zur Burg um einen Überblick zu gewinnen. Jedenfalls dachte ich, dass dort auf dem Berg gegenüber eine Burg wäre.

Wir gingen zu Fuß von der Seite hinauf. Unterwegs besuchten wir eine Galerie, die merkwürdig, moderne Fotographie ausstellte. Es ging wohl um eine Art Performance, die dokumentiert wurde. Nach unserem kurzen Besuch wussten wir, dass die modernen Ungarn in Budapest auch wirklich Kunst kannten. Ein eigentliches Geschäftsmodell präensierte sich dem beiläufigen Besucher abar nicht.  Jedenfalls wurde uns überhaupt nichts greif- oder kaufbares angeboten.

Weiter oben hieß es zunächst einmal einkehren. Es sah zunächst nach einer Touristenfalle aus, da diesmal das Angebot in allen möglichen Sprachen dargestellt war. Die Preise waren im europäischen Normalrahmen, aber nicht sonderlich teuer. Ich erwartete ein liebloses Mahl, wurde aber angenehm überrascht. Ungarn können einfach die deftige Küche.

Wenig später fand ich mich auf diesem Platz mit Reiterdenkmal. Es wirkte wie eine Art Zitadelle, die etwas zu verteidigen hatte. Was sonst sollte oben auf einem Berg gebaut werden, wenn es Türme und Fenster hatte.

In jedem Fall ist der Ort gemacht für die vielen Touristen mit ihren Fotogeräten herumlaufen.

In der Mitte das Standbild Stephans I vor der Fischerbastei.

Der tapfere Ritter stellt Stephan den ersten dar, der der Nationalheilige von Ungarn ist. Er hatte wilden Stämme missioniert und in Ungarn eine Art Staat gebaut. Damals lebte östlich der Donau eine ganz wilde Gesellschaft, die nicht unbedingt auf friedliches Nebeneinander ausgelegt war.

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Von der Seite sieht man deutlich, dass diese Zitadelle doch ein wenig deplaziert ist. Zur Verteidigung des Viertels kann das gegenüberliegende Ufer mit den vielen Einwohnern beschossen werden. Das machte aber so richtig doch gar keinen Sinn. Deswegen waren auch keine Geschützluken oder ähnliches zu sehen.

In einschlägigen Webseiten wird das Gebäude als Fischerbastei beschrieben. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts als genau diese Aussichtsplattform angelegt. Das ganze Viertel hier oben ist so eine Art Zuckerbäckerburgbau. Es ist hier oben alles nur auf alt gemacht.

Wieder hatte dieses Ungarn einen herein gelegt.

Blick auf das ungarische Parlements in Budapest

Von hier oben sieht man deutlich die Ausmasse des riesigen Parlaments. Das scheint der eigentlich wichtige Bau in Budapest zu sein. Mit solch einer Symbolik kann es in Ungarn doch nur eine wie auch immer geartete Form von Demokratie geben. Jedenfalls wird dem Normalbürger nicht ein Herrschaftssitz vorgeführt, sondern eine riesige Vertretung des ungarischen Volkes. Auf dem Platz vor dem Parlament sind bürgerliche Freiheitskämpfer in Marmor dargestellt. Unter dem Platz gibt es Katabomben, in denen die ungarische Geschichte im zweiten Weltkrieg und unter den Sowiets dargestellt wurde.

Von der Elisabethbrücke aufgenommener Blick auf Donau und Parlament.

Wir gingen zu Fuß über die Donau zurück in Richtung Hotel. Der Spaziergang sollte am Donau entlang gehen. An den Bootstegen wurde uns eine Abendausfahrt angeboten. Es sollte alles inklusive sein. Mit Musik und Essen sollte des die Donau hinauf und hinunter gehen. Die Aussischt, gerade im Dunkeln, wäre unübertrefflich.

Wir kauften bestimmt überteuerte Tickets.

Ein liegender Mann der den Abend geniest.

Das wäre dann so ungefähr das Luxuxleben, das man sich hart erarbeitet hatte. Am Abend wird man dafür durch eine gelungene Ausfahrt auf der Donau belohnt. Oder war das die Touristenfalle, die uns wirklich abzockte?

Eine Stunde später warteten wir in einer Schlange auf Einlass zu dem Schiff. Es waren zunächst nur ungarische Großfamilien, die mit uns an Bord gingen. In der Mitte des Decks war ein großer Saal, an dem das Essen einzunehmen war. Nur große, runde Tische waren gedeckt. Ein Fensterplatz zum geniessen einer Aussicht, war gar nicht auszumachen. Zu wem sollten wir uns setzen? Eine Wahl hatten wir aber gar nicht. Eine uniformierte Frau schaute auf die Tickets und plazierte uns dann an einen Tisch ziemlich in der Mitte des Saals.

Das gefiehl mir nicht so richtig. Es entsprach nicht so recht meiner Art einfach gesetzt zu werden. Dann kamen die anderen Paare. Ein amerikanischer Althippie mit Pferdeschwanz und einer wirklich dicken Begleitung. Aus beiden war nicht herauszubekommen, ob sie für oder gegen Donald waren. Wirklich viel erzählten sie nicht. Dafür war der Londoner Immobilienmakler mit seiner Freundin aus Alaska viel interessanter. Was war dieser überrascht, als ich ihm bezüglich Brexit einfach Recht gab. Richtig lebhaft wurde er darüber. Mit am Tisch saß noch ein israelisches Paar. Er arbeitete bei der Eisenbahn. Wer hätte gedacht, dass das kleine Israel Platz für eine Bahnlinie hätte. Die Einladung Israel zu besuchen, haben wir bis heute noch nicht einglöst.

Was war das für ein überraschend schöner Tag in Budapest! Der nächste Tag wurde mystisch.