Freitag, 8. Juni 2012

Ellora - Buddhisten und Jains

Buddhisten, Jains und Hindus haben in Ellora Höhlen gebohrt, um ihren Religionen zu fröhnen. In den Bauwerke spiegelt sich auch die Sicht auf das Leben wieder, das einem Anhänger der jeweiligen Religion vermittelt wird. Und diese Sicht ist doch recht unterschiedlicher, als man auf den ersten Eindruck meint. Immerhin sind alles Höhlen in Felsen gehauen in Indien und die Religionen sind meditativ und gelten als gewaltlos.

Angefangen haben die Buddhisten mit ihrer Klosteranlage  im Süden des Abhangs. Hier wurden Höhlen in den Felsen getrieben, in denen dann Mönche lebten, meditierten und unterrichteten:

Eine Felsklippe in denen Eingänge zu Höhlen zu sehen sind. Die Eingänges sind richtig gross, wie durch die Besucher rechts am Bildrand zu sehen ist.

Die einzelnen Höhlen haben dann Schreine mit Buddhas. Diese sitzen aber nicht im Schneider- oder auch Lotussitz, sondern auf einer Bank und scheinen etwas erklären zu wollen.

Aber es handelt sich um eine Darstellung Buddhas, da die Figur lange Ohrläppchen hat. So wird immer die Abstammung Buddhas als einem Sohn aus reichem Haus betont, der von klein auf schwere Ohrringe trug, die ihm die Ohrläppchen langgezogen haben:

Ein Buddha in einem Schrein, beschützt durch ein Yaksha.

An den Wänden sind die gewohnten, meditierenden Buddhas dargestellt, diese sitzen mit gefalteten Beinen und haben einen Heiligenschein:

 Ein Relief mit 12 Buddhas an der Wand eines Schreins

Es gibt in dem Kloster auch eine regelrechte Kirche (chaitya), die an eine romanische Kirche erinnert. So gibt es ein rundes Tonnengewölbe an der Decke. Und genau wie bei einer romanischer Kirche liegt der Eingang im Westen und der Altar im Osten. Diese Ausrichtung kann aber auch der Lage des Abhangs geschuldet sein. Verblüffend sind aber die Säulenreihen, die den Raum in ein Mittelschiff mit zwei Seitenschiffen aufteilen.

Erbaut wurde diese Kirche im 7.ten Jahrhundert:

Ein Buddhaaltar unter einem Tonnengewölbe, mit zwei Säulenreihen, die die Halle in Mittelschiff und Seitenschiffe teilen. Durch Besucher sind die Grössenverhältnisse zu sehen.

An den Seitenwänden sind wieder meditierende Buddhas:

Ein Relief mit hunderten, meditierenden Buddhas

Mir präsentiert sich hier die buddhistische Religion als eine Religion für Aussteiger, die eben nicht in der normalen Gesellschaft leben wollen. Viel mehr wollen sie sich zurückziehen und in Höhlen auf Erlösung warten.

Wenn das große Teile des Nachwuchses machen, geht es mit einer so geprägten Gesellschaft zu Ende.

Auch die Religion der Jains ist eher etwas für Aussteiger, obwohl der Jain Tempel im Norden des Abhangs von Ellora, zunächst nicht so aussieht.

Dieser ist um einen reich verzierten Innenhof angelegt:


Blick auf die dreigeschossigen Schreine des Jaintempels von Ellora

In den Ebenen werden die einzelne Gurus (Wegbereiter) der Jains dargestellt

Hier ist es der Mahavir, der letzte Prophet der Jains. Dieser hat zunächst alles erobert und blieb dann so ruhig stehen, dass er von Pflanzen überwuchert wurde.

Reich verzierte Säulen tragen die Halle, im Hintergrund der Eingang zum Schrein, links neben den Schrein die Darstellung des Mahavirs, wie er von Pflanzen umschlungen wird.

Das mit dem ruhig stehen bleiben geht nur dann gut, wenn einen jemand beschützt. Dies ist die Aufgabe der Yakshas:

In einem Seitenschrein ist ein Yaksha mit einem Elefanten

oder auch der Ambika, einer Yakshi:

In einem Seitenschrein ist die Schutzgöttin Ambika dargestellt.

Bemerkenswert ist auch die überwältigende Aussicht von dem Balkon:

Blick vom Balkon des Jaintempels auf das Tal von Ellora, im Vordergrund eine kleine Stupa und dahinter die Kuppel des Tempels.

Ein Blick in den Innenhof zeigt die Ähnlichkeit zum etwa zeitgleich erbauten Kailash Tempel:

Hier ist die Ähnlichkeit mit dem Kailashtempel zu sehen

Mir sagt dieser so reich verzierte Tempel, dass die Religion der Jains auch eher die Verzierung einer Gesellschaft ist, als das Modell einer Gesellschaft. Innerhalb einer wirklich lebensfähigen Gesellschaft würde verletzt und gestritten, etwas das den Jains aber verboten ist.

Bei den hinduistischen Tempeln begegnete mir dagegen immer das pralle Leben. So wie in diesem Schrein, in dem der Angriff des Dämonen Ravanna auf den Berg Kailash, der Wohnung des Götterpaares Shiva und Parvati, dargestellt ist:

Relief mit Shiva und Parvati im Berg Kailash. Der Dämon Ravanna schüttelt den Berg und versucht einen Lingam zu stehlen. (Szene aus dem Ramayana)