Dienstag, 3. Juli 2018

Der Rum und die Wanderung zum Sardinenhaus

Wie war der Strand in Madeira? Ich war auf einer Insel und es war die richtige Temperatur ins Meerwasser zu steigen und ein wenig in der Sonne zu liegen. Zwar gab es bei Santana eine kleine Bucht, die über eine Seilbahn erreichbar war. Von oben konnten wir dort Gärten und jede Menge Brandung, aber weder Kiosk noch Sonnenschirme sehen.

Wo konnte ich baden gehen?

In der Nähe von Santana zeigte der Plan eine Stadt, bei der Porto da Cruz stand. Das war ein Hafen. Es sollte möglich sein dort mit dem Auto bis an das Wasser zu fahren.

Wenig später parkte ich vor etwas, das mit „balneário“ angekündigt wurde. Sollte es tatsächlich, wenige Autominuten vom Hotel entfernt, so etwas wie eine Meerwasserbademöglichkeit geben?

Erfreut gingen wir mit Strandtasche eine Treppe herauf und bewunderten die Surfer. Eine ganze Surfschule mit Neoprenanzügen bemühte sich auf die Bretter in der Brandung zu stehen. Ich konnte sogar Kabinen mit Duschen ausmachen.

Bei genauerer Betrachtung erforderte das Badevergnügen in der Bucht feste Wasserschuhe:

Brandung und viele Felsen und Steine am Strand

Das mit dem Sonnen war dann auch nicht so toll. Dafür kaufte ich in Porto da Cruz etwas, das ich heute noch im Schrank bewundere.

Es passierte auf dem Rückweg zum Auto. Ich ging die Treppe vom Strand herauf, da fiel mir das auf alt gemachte Haus an der Seite auf. Ein Schild wies es als Zuckerrohrmühle aus.

„Sollen wir uns das ansehen?“, fragten wir uns  sehr kurz. Dann waren wir schon an den Toren und schauten hinein in Halle mit den großen Geräten. Zu sehen war niemand. Nur Schilder erklärten die Geschichte des Zuckerrohranbaus und der Destillerie „COMPANHIA DE ENGENHOS DO NORTE“.

Die ausgestellte Technik war schon in die Jahre gekommen. Eine Mühle quetschte die Rohre, der Saft wurde gesammelt und in die Fermentationstanks gefüllt. All das erklärten die Schaubilder in mehreren Sprachen.

Aus dem angeschlossenen Laden drangen Stimmen. Dort wurde Touristen etwas aufgeschwatzt. Sollten wir etwa auch? Wir schauten hinein.

Hinter einem Tresen stand eine stämmige Frau mit freundlichem Gesicht, aber ohne allzu große Kenntnisse der englischen Sprache. Die lauten Touristen erklärten uns die Produkte. Hier in der Destillerie wurde noch Schnaps hergestellt, den die hier verkauften, sagten sie.

Billig war der 50 % Zuckerrohrschnaps in den Plastikflaschen. Er war farblos.Wir verwendeten ihn für die Schlehen, die wir im Herbst sammelten. Feiner waren die Flaschen mit braunem 40 % Schnaps. Dieser war unterschiedlich lange in Fässern gelagert. Ich probierte nur ein Tröpfchen von dem zehnjährigen Rum. Auf der Zunge brannte nichts. Es hatte seinen eigenen Geschmack. In der Nase merkte ich den Alkohol, der wirklich dort war. Hinunter ging es ganz ohne ein Kratzen. Das nehme ich immer als gutes Zeichen für guten Schnaps.

Eine Flasche von diesem 10jährigen Rum wurde zu einem Weihnachtsgeschenk. Für meinen Nachwuchs kaufte ich eine Flasche vom Jahrgang 1987. Zu seinem 30ten sollte sie getrunken werden. Ich bezahlte den angegeben Preis und stellte bei der Rückkehr fest, dass die Flasche aus dem Jahr 1977 war. Die stämmige Dame meinte es gut mit uns. Der Jahrgang passte aber nicht mehr. Nun wartet diese Flasche im Schrank auf meinen 60ten.

Wir nahmen nicht den Tunnel, sondern den Weg über den Miradouro da Portela nach Machico. Nach einem kurvigen, steilen Weg kamen wir auf einer Weggabelung mit großem Parkplatz. Es war neblig und die Aussicht versteckte sich zunächst in Wolken. Nur kurz rissen sie mal auf und schenkten mir dieses Bild:

Blick auf Porto da Cruz

Da unten liegt Porto da Cruz. Bis in die Höhen wohnen die Madeiraner. Durch den Tunnel kommen sie in weniger als einer halbe Stunde nach Funchal, der Hauptstadt mit dem pulsierendem Leben.

Der Weg nach Machico bot reichlich Vegetation und jede Menge Kurven. Machico selbst rühmte sich eines Strandes, der aber neben einem Bootshafen lag. Wir aßen kurz in eines der Hafenrestaurants und machten auf den Weg zur Ostspitze Madeiras. Sie sollte zu Fuß erreicht werden können.

Hinter Canical war die Straße richtig zu Ende. Es gab einen Kreisverkehr mit Parkmöglichkeiten. Ein Schild erzählte etwas von einer „Casa do Sardinhas“.

Das Ziel war benannt und es ging los:

Der Anfang zur Ostspitze

Es waren einige Wanderer zu sehen.

Der Weg ist ohne Schatten

Das Bild sieht heißer aus, als es war. Durch das Meer zu beiden Seiten ging ein frischer Wind. Die Ausblicke belohnten die Wanderung.

Ulkige Leute kamen uns entgegen. Zwei junge Männer wanderten mit Musik. Am Rucksack war ein Solarpanel montiert. Der Ghettoblaster speiste sich aus der so gewonnenen Elektrizität. Das war nachhaltiges Wandern unter der Sonne.

Blick auf die Ostspitze im Meer mit Booten

Das dort hinten ist die Ostspitze Madeiras. Bis dorthin galt noch ein paar Stufen zu nehmen und Felsbrücken zu passieren.

Stufen und Kakteen im Gestein

Hier bemerkten wie sie zu erst. An den Stufen sonnten sie sich. Angst hatten sie nicht so richtig. Zwar huschten sie bei Schritten schnell weg. Blieben dann nach ein paar Metern neugierig stehen.

Eidechsen um Fruchtreste mit Fuß

Kaum fiel ein Teil einer Frucht zu Boden, machten sie sich darüber her. Da spielte der Fuß überhaupt keine Rolle mehr.

Felsen im Meer mit Brücke

Wind und das Geräusch der Wellen von beiden Seiten des Grates, was will man mehr.

Kanten fallen direkt in das Meer ab.

Das ist der Blick auf die Nordseite der Landzunge. Hier sind einfach nur Felsen mit einer rauhen Kante.

Wir gingen dann noch weiter bis zur Ostspitze. In der Mitte der Hochfläche stand ein Haus. Wir sahen Leute im Schatten sitzend. Erfreut näherten wir uns. Ich fragte mich, was ich wohl zu mir nehmen sollte. Das Haus hieß „Casa do Sardinhas“. Sollte es dort eine Fischsuppe geben?

Als wir näher kamen, sahen wir, dass die Menschen picknickten. Gläser oder Geschirr hatten sie nicht auf den Bänken. Eine Bedienung war nicht auszumachen. Es gab eine nicht geschlossene Toilette.

Das Haus war nicht geschlossen. Es handelte sich um eine Art Museum. Eine Familie hatte hier ihr Ferienhaus angelegt. Nach dem Tot der letzten Besitzerin wurde das Haus samt Gelände einer Stiftung übergeben, die den Erhalt der Natur als oberste Priorität hat. Der Besucher wurde aufgefordert den Müll in Tonnen zu deponieren.

Wenn man das vorher weiß, freut man sich nicht auf eine Fischsuppe mit Weißwein oder Bier.

Aussicht mit Fensterchen auf dem Meer

Auf den letzten Felsen gibt es noch einen Ausguck, den ich nicht besucht hatte. Vermutlich gab es dort oben nur Meer zu sehen.

Zurück in Santana verkürzten wir die Buchung für das Hotel. Im Norden von Madeira gab es anscheinend keinerlei Bademöglichkeit. Wir zogen zwei Tage später in ein Hotel an der Südküste um.