Freitag, 6. Juli 2012

Aurangabad - Was sonst noch zu sehen ist

Aurangabad ist mehr als nur die Stadt, auf deren Flughafen man landet, um die Höhlen von Ajanta und Ellora zu besuchen. Man sollte sich hier noch Zeit nehmen um die "Stadt des Reichtums" (Daulatabad) zu besuchen. Diese liegt auf dem Wege von Ellora nach Aurangabad. In Aurangabad selbst sollte das kleine Taj Mahal genauer betrachtet werden und, wenn noch Zeit bleibt, bei einem Goldweber vorbeigeschaut werden.

Die Stadt des Reichtums war mal an dieser Stelle, neben diesem abgehobenen Berg:

Deogiri heisst Berg der Götter und so erscheint der Festungsberg auch von der Strase aus gesehen

Ihre  Geschichte ist typisch für Indien nach der hinduistischen Renaissance (ab 700 n.Chr.) bis zur  Eroberung durch türkische und afghanische Angreifer.

Nachdem der Buddhismus außer Mode gekommen war, kam es zu einer dezentralen Rückbesinnung auf die alten Götter.

Und die Form des Bergs, der abgehoben über die Ebene zu schweben scheint, ist genau so wie dieser Berg Kailash in Bildern dargestellt wird. Dieser Eindruck wurde erreicht, in dem die Seiten glattgemeißelt wurden. Nur über eine Brücke konnte dann der eigentliche Berg betreten werden:

Die Klippe ist glatt gemeißelt und unten sieht man einen Wassergraben

Im 11.ten Jahrhundert baute ein Raja hier am Deogiri (Berg der Götter) seine Hauptstadt auf, von der er die ganze Deccan Hochebene beherrschen konnte. 

Dazu wurden unter anderem auch Steine von buddhistischen Anlagen verwendet, wie zum Beispiel dieser:

In der Mauer der Festung wurden Steine von buddhistischen Tempeln verwendet

Vielleicht hätte er die buddhistischen Tempel erhalte sollen?

Jedenfalls sprach der Reichtum der Stadt sich herum und 150 Jahre später kam es zu einer Belagerung durch Türken und Afghanen. Der Raja zahlte zwar ein gigantisches Lösegeld, dass von Elefanten und Kamelen abtransportiert wurde, aber das erzeugte nur Appetit auf mehr, so dass die Stadt schliesslich vom Sultan von Delhi eingenommen wurde.

Dies Zeichen an beiden Seiten der Eingangspforte soll wohl den Drachen oder Tiger aus Delhi darstellen, der auf zwei Hindu Elefanten tritt:

Ein Tiger oder Drache tritt auf zwei indische Elefanten. Dies ist zu beiden Seiten der Festungspforte


Den Eroberern gefiel die Lage der Stadt so gut, dass beschlossen wurde, den Hof von Delhi nach hierhin zu
verlegen. Allerdings wurde nach erfolgter Verlagerung festgestellt, dass es zu wenig Wasser für die Aufrechterhaltung eines Hofstaats gab, so dass der Hof wieder zurückverlegt wurde.

Die Festung wechselte danach mehrfach den Besitzer, bis sie unter englischer Besatzung an Bedeutung verlor.


Vom Gipfel der Festung werden Ausmasse der Befestigungsanlagen deutlich:

Der Blick reicht über die gewaltige Basion zur Stadt Daulatabad

Aurangabad

Aurangabad ist eine Stadt hauptsächlich militärischen Charakters, war zunächst eine einfache Garnisonsstadt, die dann von dem Vizekönig Aurangzeb zur Hauptstadt seines Vizekönigreichs gemacht wurde. Dieser gab ihr auch seinen Namen, Aurangzeb hat sich einen Namen gemacht in gewaltsamen Unterdrückung des  hinduistischen Glaubens, so hat Missionierung und Wallfahrten verboten, sowie zahlreiche Tempel abreißen lassen. 

Vielleicht ist das auch der Grund, dass das Mausoleum (Bibi Ka Maqbara seiner Frau zwar dem Taj Mahal angelehnt ist, sich in einigen Aspekten aber grundlegend hiervon unterscheidet. So sind hier die Türme höher als die Kuppel und die Anlage ist insgesamt asymmetrisch, so ist links eine Moschee.

Das kleine Taj Mahal ist unsymmetrisch, die Türme sind höher als die Kuppel

Ein in Aurangabad bis heute ausgeübtes Handwerk ist die Herstellung von Geweben mit Gold- und Silberfäden. Die Muster sind persisch und es soll mit der Verlagerung des Hofes von Delhi mit in die Region um Aurangabad gekommen sein:

Ein Weber zeigt das Muster seiner Arbeit

Die Weberei selber ist eher unspektakulär, es ist eher so etwas wie eine Garage. Allerdings deutet das Bild links an der Wand mit dem Blumenschmuck auf einen hinduistischen Hintergrund des Unternehmers. Wenn es wirklich eine alte Familientradition handelt, würde das bedeuten, dass diese Art der Weberei eher hinduistischen Ursprung hat, und nur das Muster wurde aus Persien übernommen!

Zwei Webstühle in einer Goldweberei. An der Wand eine hinduistisches Götterbild