Sonntag, 19. Juni 2016

Lima bei Paris - Dakar 2013

Zuerst dachte ich es wäre ein Witz, dass die Rally Paris-Dakar 2013 in Lima starten würde. Unsere Gastgeber schienen zu meinen, dass sich das ja irgendwie nicht gehören wurde. Immerhin war Peru ja immer ein eher arm. Aber dann stellte sich heraus, das in der Tat die Rally Paris-Dakar schon lange nicht mehr in Afrika stattfindet. In den letzten Tagen unseres Besuchs in Lima startete die erste Etappe am Strand von Lima. 
So ging es denn zum Strand hinunter. Der Start war ganz im Süden bei Chorillos. Von unserer Wohnung aus nahmen wir den Abgang in Barranco und sahen auch schon von oben die Brücke über die Uferautobahn:

Bild von der Fußgängerbrücke über die Uferstrasse bei Barranco

Es steht gar nicht Lima auf dem Banner, was hatte das zu bedeuten? Das ist die Form von Lokalpatriotismus, der sich in Peru breit macht. In Lima hat jeder Stadtteil eine eigene Verwaltung mit eigenem Steueraufkommen und eigenem Regionalstolz. Der Bürgermeister möchte wieder gewählt werden und erzählt seinen Wählern immer wie toll ihr Stadtteil ist. Das habe ich schon vorher beschrieben, ist aber immer wieder spannend zu beobachten.

Aber zunächst gehen wir hinunter an den Strand.



Bild mit besockten Pferden bei der Rallye Paris Dakar

Unten gab es zunächst berittene Polizei. Ob die farbliche Übereinstimmung zwischen Pferdestrümpfe und Bordstein gewollt war?


Blick nach Chorillos bei der Rally Paris Dakar

In Chorrillos war endlich der Start. Leider waren schon viele Schaulustige unten. Die Figur rechts ist so etwas von aus vergangenen Zeiten. Die Frau mit den langen Armen umarmt ihren Adonis mit Knackarsch. Oben sind Hotels im Bau. Der Strand hier unten ist zu einem richtigen Badestrand geworden. Es gibt Sand und sogar schon Infrastruktur.

Der Strand von Chorillos mit roten Sonnenschirmen

Die Tage vorher war ich mit meinem Sohn hier in der Sonne gewesen. Zwar wurde ich gewarnt, dass es zum einen furchtbar dreckig sei und zum anderen auch gefährlich. Weil in Chorrillos wohnten die Tagediebe und Fischer.

Selbstverständlich verlief der Strandtag ganz anders. Die Frau, die die Liegestühle vermietete, griff einen Besen und säuberte zunächst den Strand um diese herum. Wenn er sauber ist, ist das Geschäft besser. Das hatte sich wohl herum gesprochen. Auch der Strand bis zum Wasser war gesäubert.

Aber auch die Sicherheit schien gewährleistet. Mein Sohn wies mich auf einen jungen Peruaner hin, der ganz alleine an den Strand kam, auf das Meer schaute und dann sein Badetuch auf den Sand legte. Darauf deponierte er sein Smartphone und seinen Kopfhörer. Als er im Wasser war, sagte mein Sohn: "Schau mal da liegen nun locker 500,- € auf dem Sand. Das kann hier nicht gefährlich sein."

Das Wasser war trotzdem recht kalt. Obwohl es nur kalt und nicht eisig war, wie ein kleiner Junge sagte.

Aber es ging zurück zur Rallye.

Inka Figur und peruanische Nationalfarben beim Start der Rallye

Weiter hinten begegneten uns diese zwei Gestalten. Der Vogel in den weiß-roten Nationalfarben und rechts daneben der Inka unter dem Heißluftballon. Wie patriotisch Peru doch geworden war!

Manchen hatte dies schon Angst gemacht. So erzählte uns Silvester 2012 ein Freund von einem eventuell drohenden Krieg zwischen Peru und Chile wegen der Grenzstreitigkeiten. Zum Glück wurde dieser Fall in Den Haag entschieden.

Neulich hörte ich auf Youtube diese Musik von Pisko 'Peruano'. Wie unbekümmert hier eine Vaterlandsliebe gerappt wird, ist im heutigen Europa einfach unvorstellbar. Aber das nur am Rande.

Neubausiedlung in Lima. Alles in Pastellfarben

Am nächsten Tag besuchten wir das Bauprojekt unserer Lieblingsnichte. Ihr Arbeitgeber realisierte diese Siedlung am Stadtrand von Lima. Zu unserer Überraschung handelte es nicht etwa um sozialen Wohnungsbau, den gibt es gar nicht in Peru, sondern um Eigentumswohnungen für die gehobene Mittelklasse.

Erst ein, dann zwei, dann drei Stockwerke haben die herkömmlichen Häuser.

Grade gegenüber dieses Komplexes befindet sich diese Siedlung, die so ist, wie die Neubauviertel Limas nach ein paar Jahren aussehen. Man sollte sich hier nicht vertun. Jedes Haus und jedes Grundstück ist in einem Grundbuchamt eingetragen. Die Häuser müssen geplant und angemeldet sein. Finanziert werden sie über Hypothekenbanken.

Peru setzt seit den 90ern die Ideen von Hernando de Soto um. Dieser Volkswirt hatte untersucht, wie sich die USA im 19ten Jahrhundert selbst aufbaute. Sein Schlussfolgerung war, wenn die Einwohner über gesichertes Privateigentum verfügen, dann können sie untereinander Geschäfte machen und eine eigene Wirtschaft entwickeln.

Dass nun die Vorliebe der Peruaner in Richtung Wohnung im Block geht, überrascht. Erwartet hätte man ja eher so etwas in Richtung USA mit kleinen Grundstücken und Häusern. Vielleicht trägt ja das kulturelle Erbe der eher kollektiven Lebensformen der indianischen Bevölkerung etwas dazu bei. Der Besuch in Bandurria und Caral hat ja darauf hingewiesen.

Am letzten Tag unseres Besuchs in Lima waren im "magischen Kreisel des Wassers" oder auch Circuito Magico del Agua. Es handelt sich um einen Vergnügungspark mit einer Vielzahl von Fontänen. Das war etwas, worauf die Limenos stolz waren. Außerdem kann man am Eingang zum Park die besten Anticuchos von Lima essen.

Kinder spielen in den Wasserfontänen des Wasserparks


Das mit den Fontänen hatte ich eigentlich genau so erwartet. Jede Menge Kinder, die mit dem Wasser spielen. Das Foto ist übrigens ein ziemlicher Glücksfall, weil der Stöpsel auf der Fontäne die Sekunde still gehalten halt. Aber das nur am Rande.

Die unterschiedlichsten Fontänenformen gibt es im Park.

Das hier sind so mehr die eindrucksvollen Fontänen. Es gibt riesige und dann auch einfach nur viele Fontänen hintereinander. An einer Stelle des Parks formen die Fontänen eine gewaltige Leinwand, in die dann Aufnahmen von Volkstänzen projiziert werden. Das war eine Art von Son et Lumiers, die ich so noch nie gesehen hatte.

Die Geschichte des Parks ist auch viel sagend für neuere peruanische Politik. Der Bürgermeister Limas hatte erfolgreich die Metropole voran gebracht. 2011 wollte er Präsident werden. Vorher galt es wohl noch einen Punkt zu setzen. Also wurde die heruntergekommene Brache hinter dem Nationalstadion aufgemöbelt. Er überredete dann die Wasserversorgung die Fontänen im Park zu betreiben, die Stadt übernahm Erschließung und Ausbau der Parks an sich. So hätte die Bevölkerung in der Stadt eine Fläche zum flanieren und entspannen.

Das Ganze wurde ein voller Erfolg. Es gab keinerlei Skandale bei der Abwicklung des Projekts und auch finanziell, fand der Park soviel Anklang, dass er schon nach ein paar Jahren im Plus war. Eigentlich waren 2011 alle Einwohner Limas mit ihrem Bürgermeister zufrieden und einer Wahl zum Präsidenten Perus schien nichts im Weg zu stehen.

Es zeigte sich aber, dass der Präsident eher eine Art Weihnachtsmannfunktion erfüllen soll. Die Funktion guter und effizienter Verwalter war nicht gefragt. Und so kam der Bürgermeister gar nicht über die erste Runde hinaus. 2016 ist er übrigens wieder Bürgermeister.

Damit endet der letzte Beitrag zur Reise nach Lima 2013. Der vorherige Beitrag beschrieb Pucllana, die pyramide in miraflores.


Aber nicht nur Ist aber eigentlich auch alles egal. Im Bad Hauptsache ihr habt Spass.